MySpace, Xing, StudiVZ und wie sie alle heißen: Virtuelle soziale Netzwerke sind das Über-Thema der Saison. Kritiker wie der Schriftsteller Peter Glaser halten die momentan modernen Business- und Gruschel-Clubs eher für Datenkäfige: hermetisch abgeschottet gegen den Rest des Webs seien sie eher ein Rück- als ein Fortschritt in der Entwicklung des Internet. Eine der lautesten Stimmen im Kritiker-Chor gehört dem Entwickler und Unternehmer Marc Canter. Er ist überzeugt: “Gleichgesinnte Leute schließen sich eher zu kleineren Gruppen zusammen, um in einer warmen, kuscheligen Umgebung mit Menschen zu kommunizieren, die so sind, wie sie selbst.” Als Mitglied der so genannten Identity Gang ist Canter außerdem Verfechter einer Online-Identität, die dem Nutzer allein die Kontrolle über seine Daten und Informationen gibt.
Nach der Musik- und der Filmindustrie schickt sich das Internet nun an, das Fernsehen zu revolutionieren. Ob kurze Spaß-Clips oder aufwändige Produktionen: Video-Communities wie die kürzlich von Google geschluckten Youtube bieten eine nahezu unendliche Aufwahl für den schnellen Glotz zwischendurch.
Mittelfristig werden die bunten Bewegtbilder aus dem Netz dorthin wandern, wo jahrzehntelang nur TV-Sender Zutritt hatten: in die heimische Glotze. Das jüngst vorgestellte Apple TV erlaubt es bereits, Video-Podcasts auf die Flimmerkiste zu schicken. Viele weitere Geräte und Methoden, Web-Videos jenseits des PCs zu betrachten, sind bereits in Arbeit. Ibrahim Evsan, Gründer der Video-Plattform sevenload, spricht über die Zukunft des TV im Internet-Zeitalter.
Im zweiten Teil des Interviews wirft Lawrence Lessig einen Blick auf die Zukunft der Medien am Beispiel der guten alten Flimmerkiste: “Der Charakter des Fernsehens wird sich radikal ändern.” Eine Entwicklung, die nicht alle Zeitgenossen begrüßen: “Viele machen sich Sorgen, dass gemeinsame Bezugspunkte unserer Kultur verschwinden werden.”
Außerdem gibt es noch einen kleinen Exkurs in Richtung Wahlkampf, sowie einen Tipp für junge Autoren, wie diese ihre Verkäufe steigern können: Bücher verschenken!
Fließband-Abmahnungen gegen Homepagebetreiber, Klagewellen gegen Musiktauscher: Im Internet-Zeitalter kann jede unbedachte Nutzung digitaler Technologien zu einer kostspieligen Klage wegen Urheberrechtsverletzung führen. Der US-Rechtsprofessor Lawrence Lessig hält die aktuellen Copyright-Regeln für ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Als Alternative entwickelte er vor vier Jahren die Creative-Commons-Lizenzen, mit deren Hilfe Autoren den Nutzern ihrer Werke mehr Freiheiten einräumen können.
Lessig hält das 20-te Jahrhundert mit seiner scharfen Trennung zwischen Kurturschaffenden und Kulturkonsumenten für eine historische Ausnahme. Die digitalen Technologien ermutigen inzwischen junge Menschen, sich zunehmend kreativ zu betätigenbis sie an rechtliche Grenzen stoßen. Etwa weil sie unerlaubt Video- oder Musik-Ausschnitte verwenden. In der ersten Portion des zweiteiligen Gesprächs fordert Lawrence Lessig ein medienübergreifendes Zitaterecht: “Für Audio und Video muss das gleiche Recht gelten, wie für Text.”
Datenschutz ist in Deutschland ein Nischenthema für Nerds. Das Gros der Bevölkerung interessiert sich nicht die Bohne dafür, wer persönliche Daten sammelt und was mit ihnen geschieht. Im zweiten Teil unseres Gesprächs vergleicht Peter Glaser dieses Nicht-wissen-wollen mit der Ignoranz gegenüber der atomaren Bedrohung zu Zeiten des Kalten Krieges. Außerdem geht es um Datenkäfige, Glasperlen und Informationskubismus.
Im Internet zu publizieren fördere “die Demut gegenüber dem Leser”, beschreibt Bildblog-Mitgründer Christoph Schultheis seine Erfahrungen mit der Internet-Publizistik. Dieser direkte Dialog mit dem Nutzer sei den meisten klassischen Journalisten fremd.
Seit fast drei Jahren notieren die beiden Medienjournalisten Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis die Verdrehungen, Übertreibungen und Unwahrheiten, die Deutschlands größte Boulavardzeitungen täglich über ihre Seiten streut. Bisher ist den beiden - trotz bisweilen unsicherer Finanzlage - die Lust an dem Projekt noch nicht vergegangen, sagt Niggemeier, “und auch die Wut nicht”.
Seit rund 25 Jahren begleitet der Schriftsteller und Kolumnist Peter Glaser auf einzigartige Weise das Werden der Digitalen Welt. Wie kein anderer greift er in seinen Texten Technologien und digitale Systeme hinterhältig über eine bislang gleichsam unentdeckte, wie offene Flanke an: über die Poesie.
Glaser ist Mitgründer des Chaos Computer Clubs und erhielt 2002 für seine Erzählung “Geschichte vom Nichts” den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis. Im ersten Teil des Interviews erklärt uns Peter Glaser, was die Gruppe Kraftwerk, eine pupsende Katze und Magier, die sich spitze Hüte aufsetzen, miteinander gemeinsam haben.
“Meine Leser wissen immmer mehr als ich”, sagt Journalist und Autor Dan Gillmor. Konsequenterweise veröffentlichte er sein Buch “We the Media” zunächst etappenweise in seinem Blog und nutzte so seine Leserschaft als Lektorat. Gillmors Kernthese lautet: In einer Welt, in der jeder, der will, publizieren kann, muss sich Journalismus vom Vortragsmodell lösen und zu einem Gespräch werden.
Medienmacher müssen auf die Stimme ihres vormals stummen Publikums hören und sie in den journalistischen Prozess integrieren. “Es wird ein andauernder und langwieriger Lernprozess”, prophezeit Gillmor im Interview.
Bruce Sterling ist zweifellos einer der renommiertesten und engagiertesten Science-Fiction-Autoren unserer Zeit. Er gilt als einer der Erfinder des literarischen Sub-Genres Cyberpunk, verfasste aber auch zahlreiche non-fiktionale und journalistische Werke.
In den letzten Jahren wandte sich Sterling zunehmend der Design-Welt zu und rief das Viridian Design Movement ins Leben, ein informeller Zirkel, der gegen den Klimawandel agitiert.
Im Gespräch erläutert Bruce Sterling den Nutzwert von Science-Fiction-Literatur und erklärt, warum er wenig von der Philosophie grüner Fundis hält.
Xing (ehemals OpenBC) sei “das Intranet der Geschäftswelt”, sagt Unternehmensgründer Lars Hinrichs. Einige sehen im Knüpfen virtueller sozialer Netzwerke die Zukunft des Wirtschaftens; jenseits von angestammten Hierarchien und Vitamin-B-Clubs. Andere halten hingegen Business-Kontaktplattformen wie Xing nur für neue Spielplätze der Eitelkeit.
Den Vorwurf, Xing sei ein “Datenkäfig”, kontert Hinrichs mit der Ankündigung einer offenen Datenschnittstelle. Über diese API sollen künftig die eigenen Xing-Netzwerkdaten auch in anderen Applikationen und Plattformen nutzbar sein.